„Let’s Dance“-Halbfinale: Nazan tanzt „fucking beautiful“ – und fliegt

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„Pommes“ bricht seinen Tanz ab, Ella polarisiert ungebrochen und Hartwich würde gern CDU-Gegner Rezo bei „Let’s Dance“ sehen. Vielleicht auch die Kanzlerin – die hat ja bald Zeit. Wie wärs mit Philipp Amthor? So „smooth“ war das Halbfinale.

„Es tut mir leid, das war fucking beautiful“, entfleucht es Motsi über Nazans gefühlvollen Paso Doble, den die Moderatorin an diesem Freitagabend für „alle Mamas da draußen“ tanzt, so schön und gefühlvoll, dass auch Jorge, plötzlich fast „seriös gekleidet“, Gänsehaut bekommt.

Es ist Halbfinale und die Tänzer müssen gleich drei Tänze aufs Parkett legen, unter anderem einen sogenannten „Impro Dance Extreme“, der erst in der Show via Los bekannt gegeben wird.

Elf lange Wochen sind inzwischen vergangen und zig blaue Flecken und Prellungen dürften die Promis, die in dieser Zeit sehr wenig ihre Familien zu Gesicht bekamen, erlitten haben. Es kommt jetzt gar nicht mehr so sehr darauf an, wer welche Tänze wie gut tanzt, denn im Halbfinale stehen die Besten. Doch letztlich ist nicht immer entscheidend, wer die Füßchen am schönsten hebt und besonders schöne Samba-Rolls macht, es sind noch immer meist die großen Sympathieträger, die am Ende den Pokal in den Händen halten. Herz vor Perfektion, denn Perfektion berührt nicht. Tanzen, verbunden mit der Liebe hingegen, ist vor allem eines: pure, aufrichtige Hingabe.

Die Wandlung, die Nazan Eckes in dieser Staffel hingelegt hat, sei „wunderbar“, oder wie Llambi sagen würde: „eine ordentliche Leistung.“ In den ersten Wochen noch schüchtern und oft zu verkopft, sei sie nun in diesem Halbfinale sogar eine „Inspiration für Motsi“. Das Publikum peitscht nach ihrer Rumba, und wenn man bedenkt, dass sie auch bei ihrem Jive Vollgas gegeben und einen „extrem guten Tango“ als „Impro Dance“ dargeboten hat, schmerzt es schon ein bisschen, dass diese Frau am Ende der Show plötzlich doch nicht im Finale steht.

Die Tränen in ihren Augen, als die Jury sie für ihren Paso Doble zu „Malaguena“ lobt, sind so authentisch, dass sogar ihr Tanzpartner Christian ganz gerührt ist, als er sich bei ihr und der ganzen „Let’s Dance“-Familie für die gemeinsame Zeit bedankt.

Die Kirsche auf der Sahnehaube

Auf der anderen Seite ist Ella Endlich, von Viktoria als „Maschine“ bezeichnet – die Frau, die Woche um Woche die Zehnerkellen kassiert und für die sich die Jury mit Lob nur so überschlägt, die Frau, die viele Zuschauer vor den Bildschirmen aber kaltlässt. Selten hat es in der Geschichte dieser Show wohl jemanden gegeben, der so polarisiert wie die zierliche Stieftochter von Carmen Nebel. Llambi fasst den Unterschied zwischen Endlich und Eckes wie folgt zusammen: „Ich sage euch, warum ich Nazan nur neun Punkte für ihren Tanz gegeben habe und Ella zehn. Weil sie die Kirsche auf der Sahnehaube ist.“

Von Anfang an wird immer und immer wieder über Endlichs Musicalausbildung und den vermeintlichen, daraus resultierenden Vorteil diskutiert. Aber das allein scheint es nicht zu sein, es ist auch immer wieder ihre Art, die „draußen“ aneckt. Dieses Überraschte – Waaaaas, dreißig Punkte? – obschon es offensichtlich ist, dass Endlich eine begnadete Tänzerin mit einem Wahnsinnstalent ist. Das Ganze erinnert ein bisschen an die Streber in der Schule, die bei Klausuren immer vorgaben: Nee, ich kriege bestimmt ’ne 4-, ich hab‘ gaaaar nicht gelernt! … Und dann dackeln sie mit ihrer 1+ aus dem Klassenraum und setzen ein ganz erstauntes Gesicht auf.

Sie sind sehr oft drüber, diese Kommentare in den sozialen Medien. Dabei fällt vor allem eines auf: Wenn Männer die Sängerin kritisieren, ist es okay, wenn Frauen Kritik äußern, heißt es wiederholt, das seien der pure Neid, Eifersucht oder Zickenterror. Frauen würden immer über Frauen „hetzen“ und seien „fies“ zueinander. Ganz ohne Neid soll hier nur der Vollständigkeit halber angemerkt werden, dass Ella eine sehr feine und lebendige Salsa getanzt hat, bei der vielen aber mal wieder „die Seele fehlte“.

„Shit happens“

„Pommes“ – gefühlt eine Seele von Mensch – hat im Halbfinale hingegen ganz schön zu knabbern. Bei seinem ersten Tanz, einem Paso, lobt die Jury zwar seine gelöste Art, obwohl der Titel („Another Brick In The Wall“ von Pink Floyd) alles andere als einfach zu vertanzen ist. Mit der Songauswahl hat Hens schon öfter Pech gehabt, beim zweiten Tanz jedoch – einer Samba – bricht er plötzlich mittendrin ab! Was ist los? Ist was mit dem Rücken? Der Sportler klagte unlängst über Schmerzen. Aber nein, Pommes‘ Sohle ist im Schuh verrutscht. Wie kann das passieren? Sind die Tanzschuhe drei Nummern zu groß? Der Ärger darüber steht dem Zwei-Meter-Mann ins Gesicht geschrieben. „Shit happens“, versucht Motsi ihn zu beruhigen.

Zu den großen Gewinnern dieser Show, ob er nun den Pokal mitnimmt oder nicht, zählt aber Benjamin Piwko, der Mann, der es wegen seiner Gehörlosigkeit um ein Vielfaches schwerer als andere Kandidaten hat. Aber Ben sagt: „Ich liebe es in meiner stillen Welt zu leben. Ich möchte kein Mitleid. Taubsein ist nichts Negatives für mich.“

Mit Isabel tanzt er erst einen Slowfox, an dem Llambi ein paar Kleinigkeiten bemängelt und für seine 6-Punkte-Vergabe aus dem Publikum wie auch von seinen Kollegen laute Buhrufe kassiert, schließlich ist dieser Tanz der schwierigste unter den Standard-Tänzen. Dafür aber erntet Piwko viel Lob für seinen „leichtfüßigen, harmonischen“ Contemporary und seinen „smoothen“ Impro Dance, einen langsamen Walzer.

Somit stehen die diesjährigen Finalisten fest. Es sind Ella Endlich, Pascal Hens und Benjamin Piwko. Nächste Woche gibt es ein Wiedersehen mit allen Promi-Tänzern. Und unser RTL gibt erste Empfehlungen für „Let’s Dance“ 2020 ab. Während ein Gast aus dem Publikum gern Angela Merkel Salsa tanzen sehen würde, würde Hartwich, sollte das nicht klappen, „gerne Rezo sehen“. Oder Frau Nahles? Aber die ist bestimmt schon „auf dem Weg nach Australien“.