„Chernobyl“ zeigt inkompetente UdSSR: Russisches Staats-TV will eigene Serie

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„Chernobyl“ ist DER aktuelle Serien-Hit. In dem Fünfteiler von HBO kommt die späte Sowjetunion nicht gut weg. Das russische Staatsfernsehen sieht sich offenbar dadurch genötigt, eine eigene Version zu produzieren.

Die neue HBO-Serie „Chernobyl“ wird von Zuschauern und Presse gleichermaßen gefeiert, auf dem Film- und Serienportal IMDB schaffte sie es in kürzester Zeit zur am besten bewertesten Serie aller Zeiten. Laut der britischen BBC lobt auch ein Großteil der freien Presse in Russland die Serie als besonders nah am historischen Original. Das dortige Staatsfernsehen sieht das aber offenbar ganz anders – und plant nun eine eigene Version ins TV zu bringen. Das berichten unter anderem die BBC, der „Guardian“ und das „Esquire“-Magazin.

Demnach soll die russische Version der Ereignisse von Tschernobyl deutlich „patriotischer“ werden. Vor allem die negative und teils inkompetent erscheinende Darstellung der sowjetischen Akteure in „Chernobyl“ soll den Kommentatoren in russischen Staats- und Boulevardmedien übel aufstoßen. Den Berichten zufolge sollen die historischen Ereignisse – zumindest so wie sie in westlichen Geschichtsbüchern stehen – zudem etwas angepasst werden. So werde ein Agent des US-Geheimdienstes CIA am Tag der Katastrophe in dem Kernkraftwerk in der heutigen Ukraine anwesend sein.

Regisseur: „zeigen, was damals wirklich passiert ist“

Die BBC zitiert den Regisseur des russischen Remakes, Aleksey Muradov. Dieser behauptet zeigen zu wollen, „was damals wirklich passiert ist“. Demnach gebe es eine „Theorie“, dass „die Amerikaner das Kernkraftwerk in Tschernobyl infiltriert hatten“. „Viele Historiker schließen die Möglichkeit nicht aus, dass am Tag der Katastrophe ein ausländischer Agent auf der Anlage gearbeitet hat“, so der Regisseur weiter. Den Berichten zufolge hat das russische Kulturministerium rund 30 Millionen Rubel in das Projekt gesteckt, umgerechnet rund 410.000 Euro.

Die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl am 26. April 1986 gilt als der schlimmste Unfall dieser Art. Dabei explodierte Block 4 des Reaktors. Dutzende Menschen starben an den sofortigen Folgen der Explosionen. Zu den Langzeitfolgen der Katastrophe gibt es sehr unterschiedliche Schätzungen, die bis zu zigtausende Toten hoch reichen.