Deutscher Buchpreis 2019: Sasa Stanisic hat den „Roman des Jahres“ geschrieben

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Es ist die wichtigste Auszeichnung für deutschsprachige Romane: Sasa Stanisic hat für das Buch „Herkunft“ den Deutschen Buchpreis erhalten. In seiner Dankesrede kritisierte er den Nobelpreis für Peter Handke.

Vor dem Auftakt der Frankfurter Buchmesse hat die Stiftung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels den deutschsprachigen „Roman des Jahres“ im Kaisersaal des Frankfurter Römers mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet.

Der Preisträger 2019 ist Sasa Stanisic mit „Herkunft. „Stanisic ist ein so guter Erzähler, dass er sogar dem Erzählen misstraut“, schreibt die Jury in ihrer Begründung. Unter jedem Satz des Romans warte „die unverfügbare Herkunft, die gleichzeitig der Antrieb des Erzählens ist“. Stanisic adele die Leser mit seiner großen Phantasie und entlasse sie aus den Konventionen der Chronologie, des Realismus und der formalen Eindeutigkeit.

Seine Dankesrede nutzte der vor 41 Jahren im bosnischen Visegrad geborene Autor zu einer scharfen Kritik an einem anderen Preisträger, der ihm „die Freude am eigenen Preis vermiest“ habe. Er echauffiere sich, so Stanisic, „weil ich das Glück hatte, dem zu entkommen, was Peter Handke in seinen Texten nicht beschreibt“. Er könne nicht nachvollziehen, „dass man sich die Wirklichkeit, mit der man behauptet, Gerechtigkeit für jemanden zu suchen, so zurechtlegt, dass dort nur Lüge besteht.“ Ihn erschüttere, dass so etwas prämiert werde, sagte Stanisic zum Nobelpreis für den österreichischen Schriftsteller.

In „Herkunft“ erzählt Stanisic über seine Familie in Visegrad, über Jugoslawien als Vielvölkerstaat, aber auch von seinen Erinnerungen an die Flucht vor dem Bürgerkrieg und die Ankunft in Deutschland, wo er zunächst in Heidelberg lebte. Am Ende des Buches lädt Stanisic seine Leser zu einem Spiel ein: Sie dürfen selbst entscheiden, wie die Geschichte weitergeht. Man erlebe in „Herkunft“ das „Entstehen eines Romans, das Werden eines Autors und das Finden einer Sprache“, brachte es die Literaturwissenschaftlerin und Jurorin Daniela Strigl auf den Punkt.

Von Jahr zu Jahr wechselnde Juroren wählen unter den von den Verlagen eingereichten und eventuell auch nachgeforderten Romanen zunächst 20 aus, aus denen dann eine Shortlist ausgewählt wurde. Der Preisträger erhält 25.000 Euro, die übrigen fünf Autoren der Shortlist erhalten jeweils 2500 Euro.